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Lilou Mace interviewte Tony im Mai 2009 in London und stellte ihm Fragen wie: Warum spielt Angst in unserer Gesellschaft so eine große Rolle und was bedeutet es für uns frei von Angst zu sein? Was hat Tony auf seinen Reisen gelernt? Was sind Schamanen und welche Weisheiten hat er von ihnen erfahren? Warum ist das tiefe Atmen so wichtig? Was ist die Illusion des „Ich“. In folgenden Videoausschnitten beantwortet Tony diese Fragen (in englischer Originalsprache):

The "YES" Breathing Techniques by Tony Samara

What did you learn from traveling?

The Illusion of the "I"

What are Shamans? What wisdom did you learn from them?

 

Ein Interview mit Tony Samara: Fragen und Antworten

(2007, für ein österreichisches Magazin)

Hattest Du je eine tiefgreifende spirituelle Erfahrung wie Erleuchtung?

Das ist eine interessante Frage, da die Tatsache, dass ich eine spirituelle Tradition lehre wohl bedeuten muss, dass ich über Wissen verfüge, dass ich genug verstehe, um es weiterzugeben an Menschen, die mich aufsuchen oder mir zufällig begegnen, die mit mir arbeiten oder einfach zu mir stoßen, weil sie spirituell arbeiten.

Zunächst einmal, mir ist das Wort "Erleuchtung" nicht so angenehm, da darunter in der westlichen Welt und Gesellschaft im Allgemeinen eine Person verstanden wird, die etwas erreicht hat, was wiederum bedeutet, dass es da einen Dualismus, eine Trennung gibt zwischen dem Erleuchteten und dem Nicht-Erleuchteten. Ich glaube, dass wir alle mit einem uns innewohnenden Bewusstsein von dem, was wahre Freiheit ist geboren werden, das uns ständig begleitet. Auf gewisse Weise sind wir alle erleuchtet, wir haben diesen Teil von uns einfach vergessen, da andere Aspekte unseres Seins in den Vordergrund unseres Bewusstseins rücken.

In allen spirituellen Traditionen, auch in der, mit der ich arbeite, geht es darum, das Weltliche oder das Ego zu transzendieren, was ein Gefühl von Freiheit auslöst, das keineswegs eine alltägliche Erfahrung für Menschen in der heutigen Welt darstellt. Dieser Erfahrung gebe ich keinen Namen, denn sobald man sie benennt, erzeugt das Vorstellungen im Verstand (wenn diese nicht eh schon vorhanden sind), die uns dann von dieser eigentlichen Erfahrung entfernen. Jegliche Erfahrung schätzen zu lernen ist mein oberstes Ziel, denn dann beginnen wir uns selbst zu schätzen, auf tiefster Ebene als eins mit dem Leben.

Ich glaube, wir alle machen tiefgehende spirituelle Erfahrungen, aber es macht keinen Sinn sie zu haben, wenn ihnen der Bezug fehlt. Der Bezug ist ein Bewusstsein, das sich im Laufe der Zeit durch Üben einstellt. Dieses Bewusstsein dehnt sich mehr und mehr aus und erreicht schließlich eine Ebene jenseits der zyklischen Natur von weltlichen Erfahrungen, wie sie die meisten Menschen durchleben. Dieser Referenzpunkt stellt sich nach meiner Ansicht nicht in einem Moment ein, sondern ist durch ein ständiges Wachstum gekennzeichnet. Dieses Wachstum durchbricht an einem gewissen Punkt die Beschränkungen auf persönlicher Ebene und führt zur endgültigen Freiheit, das, was manche Menschen als Erleuchtung bezeichnen. Auf dieser Ebene erweist sich der weltliche Bezugspunkt als überholt, da uns das erweiterte Bewusstsein viel weiter trägt, weit hinaus über die weltlichen Begrenzungen, die einen so starken Dualismus bilden.

Nun zur Beantwortung deiner Frage, bin ich erleuchtet?. Der einzige Weg, um das in seiner ganzen Wahrheit zu erfahren, ist es selbst erleuchtet zu sein, denn dann siehst du, ob deine Wahrnehmung von Erleuchtung auf die Person zutrifft, der du die Frage stellst. Wenn dieser Bezug fehlt, dann muss sich die Beziehung zu mir letztendlich auf Vertrauen gründen, nicht in die Worte, ich sei erleuchtet, sondern in meine Arbeit, die dir die Möglichkeit gibt, das Bewusstsein von Erleuchtung zu erleben. Einige, die mit mir arbeiten sagen, dass ich Verwirrung stifte, da es bei mir keine formale Lehre oder keine Richtlinie gibt, die einem dabei hilft zu erkennen, wie komplex und gleichzeitig wie einfach es ist, "Erleuchtung" zu erlangen. Die Verwirrung entsteht nur im Verstand dieser Menschen, der versucht Erleuchtung zu begreifen und zu interpretieren und die Verwirrung entsteht dadurch, dass sie meiner Arbeit keinen Namen, keine Aufschrift geben könne.

Letztendlich ist Erleuchtung unser aller Ziel, denn wir sind alle gleich, wir sind alle eins.

Siehst du dich selbst als einen spirituellen Meister/Lehrer?

Ja, das tue ich, daher auch die äußerst gewissenhafte Arbeit rund um das, was ich lehre. Es ist nicht nur eine Heiltechnik oder eine Methode zur Weiterentwicklung oder eine bestimmte spirituelle Ausprägung wie Reiki oder Tai Chi. Ich führe die Menschen. Einige sagen, ich sei ein spiritueller Meister. In der Tradition, in der ich arbeite, verwende ich eine solche Terminologie nicht, doch die Bedeutung, die hinter einem solchen Titel steht trifft zu. Ich möchte noch einmal betonen, dass mein Ziel die unmittelbare Erfahrung für den Einzelnen ist und nicht die Weitergabe von Kenntnissen in dogmatischer Form. Das fordert den Verstand oftmals heraus, da er versucht aus Erfahrungen Ideen zu entwickeln und in seine eigene Realität umzuformen. Er tut das, um die intime Beziehung zu diesem Moment und damit zum Leben selbst zu umgehen. Es stellt sich ein Gefühl des Unbehagens ein, da diese Art ‚zu sein’ nicht das ist, was wir als normal empfinden, was der Verstand dann versucht zu interpretieren, um seine obsolete Existenz in diesem Moment zu rechtfertigen. Da ich nicht diesen Teil der Person, das Ego, anspreche, sondern die Person selbst, kehrt sich das Bild, das manche Menschen von einem Lehrer/Meister haben, schnell in Zweifel und Verwirrung darüber um, wer oder was ich eigentlich bin. Für mich zählt die Person und deren Handlungen und weniger der Name oder die Bezeichnung.

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